Trump und Berlin

    Trump und Berlin

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    Quelle: Flickr, Gage Skidmore

    Der Sieg von Donald Trump in den US Präsidentschaftswahlen hat die Welt erschüttert. Besonders Berlin steht als weltoffene, tolerante Stadt in einem starken Kontrast zu dem, was Trump während seiner Kampagne propagiert hat. Aber welche Auswirkungen wird die Wahl von Trump auf Berlin wirklich haben?

    Kein Wunder haben bereits hunderte von Trump Gegnern in den Strassen der deutschen Hauptstadt gegen den US-Wahlsieger demonstriert. Besonders empfindlich ist Berlin als Stadt wegen der jahrelangen Trennung durch die Mauer – so eine Mauer will nun Trump zwischen den USA und Mexiko bauen, um illegale Immigranten zu stoppen.

    Sieg der AfD?

    Beängstigend ist sicherlich, dass Trump’s Sieg die Populismusbewegung in Europa stärkt – dass also Parteien wie die AfD (Alternative für Deutschland) oder der Front National in Frankreich sich von seinem Wahlsieg inspirieren, um sich selber bei den deutschen – und französischen Wahlen nächstes Jahr durchzusetzen. Trotzdem bleibt ein Sieg dieser Parteien in Europa dank des Mehrparteiensystems unwahrscheinlich. Ausserdem könnte die Angst vor dem Populismus sich auch umgekehrt auf Frankreich oder Deutschland auswirken – schlussendlich ist nach dem Brexit Votum die Unterstützung einer EU-Mitgliedschaft in Meinungsumfragen gestiegen, und nicht gesunken.

    Mehr Einwanderer in Berlin – diesmal aus den USA

    In der Nacht von Trumps Wahlsieg ist die Website der kanadischen Einwanderungsbehörde wegen Überlastung eingebrochen: so hoch war die Zahl von verzweifelten Amerikanern, die nun ins Exil wollen. Neben Promis wie Barbra Streisand, Whoopi Goldberg oder Miley Cyrus könnten besonders manche Amerikaner von der Ost- und Westküste, den sogenannten „blauen Staaten“ – wo Hillary Clinton gesiegt hat – auswandern. So hat auch die Mehrheit von Silicon Valley Hillary Clinton unterstützt, und das geht soweit, dass manche sogar einen „Calexit“ fordern – also einen Austritt Kaliforniens aus den USA.

    Stärkung der Berliner Gründerszene

    Als eine der Tech-Hauptstädte Europas (mit ihrer „Silicon Alley“) benötigt Berlin mehr qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland, insbesondere im Bereich Informationstechnologie. Die Berliner Gründerszene könnte also signifikant von einer solchen Zuwanderungswelle profitieren – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen sind – und bleiben in Berlin attraktiv genug.

    Stärkerer Dollar, schwächerer Euro

    Auch wenn kurz nach Trump’s Wahlsieg der Euro gegenüber dem US-Dollar zugelegt hat, war er innerhalb von ein paar Stunden wieder auf dem Vortagsniveau von 1.10 USD/EUR, und ist seitdem gegenüber der US Währung sogar gesunken. Welche seiner Wahlversprechen Trump halten wird, ist unsicher – aber in einem Bereich hat er sicherlich Unterstützung, auch im nun von den Republikanern dominierten Kongress: Steuersenkungen, mehr Infrastrukturinvestitionen und weniger Regulierung  – solche Massnahmen, die zwar langfristig zu höheren Zinsen und Inflation führen, aber auch die US Wirtschaft signifikant ankurbeln werden.

    Berliner Mieten und Immobilienpreise steigen weiter

    Politische Unsicherheit, weiterhin hohe Einwanderung nach Berlin, eine Stärkung der Berliner Techszene sowie eventuell ein schwächerer Euro – alles Faktoren, die für Berliner Immobilien sprechen. Somit ist es äußerst wahrscheinlich, dass die Nachfrage nach Wohnungen und Kapitalanlagen (Suche nach einem „Safe Haven“) weiterhin stark ansteigen – und Mieten und Preise auch im Jahr 2017 anziehen. Zu hoffen ist, dass Angebot und Neubau auch mitziehen – es brauchen ja keine Trump Immobilien zu sein – von denen gibt es übrigens in der Hauptstadt laut der Trump Website (noch) keine.

    Und zuletzt kommt die grosse Frage, ob Trump seine Wahlversprechen wirklich halten wird, und wenn ja, welche? Seit dem Wahlsieg ist sein Ton bereits viel versöhnlicher – und es ist zu hoffen, dass der neue Präsident die kontroversesten Punkte seines Wahlprogramms nicht durchsetzen wird. Schlussendlich hat er mit seiner populistischen Persona seine Kampagne durch Fanfare und Lügen gewonnen – zur Erinnerung also: ein gewisser junger Donald Trump wollte in den sechziger Jahren ursprünglich Schauspieler werden.

    1 COMMENT

    1. Ich finde es sehr bemerkenswert über jemanden herzufallen, von dem man wenig weiß, außer das er Geschäftsmann ist. Was hat Trump gemacht? Er hat Wahlkampf gemacht und die Wahl gewonnen. Mehr nicht! Das dass den Etablierten in ihren warmen Sesseln nicht gefällt ist deren Problem. Das aber alle nachplappern was diese vorgeben, zeigt wie weit der IQ bei uns schon gefallen ist.

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