Schützt der Verbraucherschutz wirklich immer? Und wenn ja, wen?

    Schützt der Verbraucherschutz wirklich immer? Und wenn ja, wen?

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    Verbraucherschutz

    Wenn man den Politikern glauben darf, dann sorgen sie sich ununterbrochen um den sogenannten Verbraucher. Der Verbraucher wird hingestellt als Volldepp, der ohne die segensreichen, alles zivile Leben bürokratisierenden Rechtsvorschriften ständig in die Falle böser Firmen und anderer Geschäftemacher geraten würde. Alle Menschen und Institutionen, die eine Leistung oder ein Produkt anbieten, sind nach der Werteordnung der Politiker böse, alle, die solche Leistungen und Produkte einkaufen wollen, sind dagegen saudumm. Deswegen muss man sie schützen. Und den Bösen das Anbieten ihrer Dienstleistungen und Produkte erschweren. So sehen das jedenfalls weltweit in allen Demokratien die Redlichen, und das sind unsere Politiker ja nun wirklich!

    Der arme Verbraucher ist nämlich nach Meinung der klugen Politiker so deppert, dass er nie weiß, was er bestellt, nie erkennt, was er unterschreibt und schon gar nicht dafür verantwortlich gemacht werden darf, wenn er im Internet irgendetwas bestellt. „Augen auf  –  Kauf bleibt Kauf!“ Das habe ich als Student beim Repetitor gelernt. Das ist vorbei. Der arme Verbraucher! Ihm muss geholfen werden! Er muss geschützt werden! Die Personen, Institutionen und vor allem die bösen Firmen, die ja nur Übles im Sinn haben, nämlich, den armen, depperten Verbraucher mit ihren Dienstleistungen und Produkten (die der arme Verbraucher ja irgendwie haben will und muss) zu überrumpeln, zu übervorteilen, ja zu betrügen  –  ihnen soll ihr schnödes, schuftiges Vorhaben so nachhaltig verhagelt werden, dass sie vor lauter Vorschriften ihre unlauteren Angebote am besten gleich ganz vergessen. Am besten, sie gehen pleite; denn Firmen, die pleite sind, können keinen Schaden mehr bei den armen Verbrauchern anrichten.  –  So jedenfalls denken wohl die meisten klugen Politiker.

    Jetzt sind endlich auch mal die Immobilienmakler dran. Davon träumen die Politiker schon lange. Was tun die schon, diese Immobilienmakler? Sie zeigen 60 Interessenten 3 Monate lang eine Immobilie, und einer bekommt sie doch nur. Und dieser eine soll dann auch noch sechs Prozent plus Mehrwertsteuer bezahlen, nur weil der Makler ein- oder zweimal mit ihm dort war! Das ist für sich gesehen schon unerhört. Deshalb wird’s hohe Zeit, dass die Politik etwas findet, wie sie dem Makler seine Arbeit erschweren kann  –  ganz egal, ob es dem Verbraucher letztlich nützt oder schadet.

    Denn der „Verbraucher“ ist in diesem Fall ein Immobilieneigentümer. Naja, ein Bisschen ungerecht schon  –  der ist ja häufig auch ein Geschäftemacher, aber egal. Dieser Immobilieneigentümer  –  da er Verbraucher ist, ist er eben auch dumm nach Meinung der Politiker, da hilft ausnahmsweise diesmal kein Eigentum oder gar Reichtum  –  der soll eben auch geschützt werden, egal, ob dafür überhaupt ein Anlass besteht oder nicht. Denn vor allem soll der Makler nicht mehr mit seinen Maklerverträgen so ohne Weiteres handeln können, wie er zum Segen des Eigentümers, der ihn in unseren Breiten ja noch nicht einmal bezahlt, will. Wenn er einen Maklervertrag mit einem Hauseigentümer per Internet oder per Telefon geschlossen hat, dann muss der Makler  –  da hilft auch kein „Ich habe jetzt keine Zeit, mir das jetzt anzuhören“ des beauftragenden Eigentümers  –   dann muss der Makler ihm beim Abschluss des Vertrages erklären, dass dieser (der Eigentümer) ein 14tägiges Widerrufsrecht hat. Da der Makler im Zweifel beweisen muss, dass er dieses erklärt hat, wird er sich also zukünftig vom Eigentümer unterschreiben lassen müssen, dass er, der Makler, den Eigentümer auf sein Widerrufsrecht ausdrücklich hingewiesen hat.

    Zum Segen des „Verbrauchers“? Das möchte ich mit dieser Glosse nun wirklich heftig bestreiten. Der Amtsschimmel wiehert. Der Bürokratismus gackert. Der Käufer hat keinerlei Vorteil davon. Der Verkäufer (Eigentümer) auch nicht; denn im Zweifelsfall fängt doch der kluge Makler demnächst, wenn diese an Dummheit schwer zu übertreffende Richtlinie zu deutschem Recht wird, erst nach Ablauf der Vierzehntagesfrist mit seiner Arbeit an. Und bei solch klugen politischen Ideen wundern wir uns noch, wenn sich eine Flugplatzfertigstellung mal eben um drei Vierteljahre verzögert  –  wir dummen Verbraucher!

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