PropTech und Digitalisierung als Hilfe gegen die Wohnungsnot

    PropTech und Digitalisierung als Hilfe gegen die Wohnungsnot

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    Quelle: Pixabay PIRO4D

    Zahlreiche Industrien haben sich bereits durch technologische Innovation und Digitalisierung stark verändert – sogenannte „Disruption“ – zum Beispiel die Reisebranche, der Einzelhandel, Taxis oder Restaurants. Langsam vollzieht sich auch ein Wandel in der noch relativ konservativen Immobilienbranche – ein Wandel, der aber nicht unbedingt nur negativ für Immobilienmakler sein muss. 

    Ein Großteil der Kauf- und Miettransaktionen für Immobilien findet immer noch über traditionelle Makler – und somit oft nur mit beschränktem Technologieeinsatz – statt.

    Doch angesichts der Wohnungsnot in Großstädten, des Mangels an erschwinglichem Wohnraum und der Neigung jüngerer Generationen, sich mehr auf Technologie zu verlassen, wird auch im Immobiliensektor der Einsatz neuer Technologien zur Effizienzsteigerung sowie zum Erarbeiten neuer, kreativerer Lösungen, erforderlich.

    Wohnungsnot und hohe Mieten beanspruchen neue Lösungen

    Ein Großteil der Innovation stammt – wie so oft – aus den Vereinigten Staaten, wo in vielen Städten das Problem der hohen Mieten und Immobilienpreise noch akuter ist als in Deutschland: ein Drittel der amerikanischen „Millennials“ wohnen noch bei ihren Eltern, und viele andere geben in den ersten zehn Jahren ihres berufstätigen Lebens bis zur Hälfte ihres Einkommens für Miete aus.

    Komprimierte Wohn- und Arbeitsformen gehören daher zu den Megatrends der Stadt der Zukunft. Hinzu kommen neue Finanzierungsmodelle, um das Mieten bzw. den Kauf des Eigenheims zu erleichtern: So fördern manche Startups das „Rent-to-Own“ Prinzip, also das Erwerben einer Immobilie trotz geringen Startkapitals, indem die Miete künftig zum Aufbau des Eigenkapitals beiträgt. Andere ermöglichen es, geräumige Luxuswohnungen aufzuteilen, sodass sie an mehrere Parteien vermietet werden können.

    289 PropTech Startups in Deutschland

    Auch wenn in Deutschland die Bereiche PropTech und Digital Real Estate noch nicht so fortgeschritten sind wie in den Vereinigten Staaten, war das In­kraft­tre­ten des Bestellerprinzips im Jahr 2015 ein starker Ansporn für deutsche PropTech Gründungen: ein Großteil des Vermietungsprozesses kann nämlich standardisiert und auch skaliert werden, um dem Vermieter (der unter dem Bestellerprinzip nun die Provision zahlen muss) wirtschaftlich günstigere und effizientere Lösungen anzubieten.

    Deutsche PropTech Firmen im Überblick. Quelle: PropTech.de

    Angesichts dessen haben sich die ersten PropTech Startups in Deutschland anfänglich vorwiegend auf die Bereiche Verwalten und Vermieten konzentriert, in den letzten Jahren kam es aber auch beim Planen und Bauen sowie in den Bereichen Smart Home, Visualisierung, Dokumenten und Daten sowie Crowdfunding zu einer Vielzahl von Neugründungen. Laut PropTech.de gab es Anfang April 2019 immerhin 289 deutsche PropTech Startups, auch wenn diese Zahl im Vergleich zu September 2018 um knapp 4% geschrumpft ist.

    Förderung von Digital Real Estate und PropTech in Deutschland

    Digital Real Estate und PropTech in Deutschland wird zunehmend durch regionale, bundesweite und globale Initiativen gefördert. Zum Beispiel strebt die German PropTech Initiative an, deutsche PropTech Unternehmen miteinander stärker zu vernetzen sowie den Zugang zu etablierten Firmen der Immobilienwirtschaft zu erleichtern. PropTech DACH fördert die Zusammenarbeit zwischen dem Immobiliensektor, der Immobilienwirtschaft und Dienstleistern im Immobilienconsulting. Der Blackprint Proptech Booster wird zu einem europaweiten PropTech Hub ausgebaut, indem hier ebenfalls Startups aus dem europäischen Ausland gefördert werden. Und die Plattform Unissu hat zum Ziel, die Zusammenarbeit im globalen PropTech Sektor zu fördern.

    PropTech Innovation bedeutet nicht das Ende des Immobilienmaklers

    Zwar bedeuten PropTech Startups im Bereich Vermietung und Verkauf mehr Konkurrenz für traditionelle Makler; zahlreiche Startups bieten Immobilienmaklern aber auch komplementäre Lösungen an, indem sie die Immobiliensuche (Nachbarschaft, Transportmöglichkeiten, Preisermittlung), die Lead Generation, die Maklersuche- und Bewertung, Immobilienbesichtigungen oder die Miet-/Kauftransaktion erleichtern. Die Tätigkeit des Maklers wird somit durch Technologie verbessert oder sogar aufgewertet, aber nicht vollkommen ersetzt – was wiederum bedeutet, dass die „Disruption“ im Immobiliensektor wesentlich langsamer, progressiver – und für manche Makler sogar konstruktiver – sein wird als der Wandel in der Reiseindustrie oder im Einzelhandel.

    Somit sind die oben dargestellten PropTech Initiativen und Accelerators auch da, um die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen dem etablierten Immobiliensektor und den Startups zu verbessern. Nur so wird die Branche zu neuen und effektiven Lösungen gegen die Wohnungsnot auch in Deutschland kommen.

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