Multi-Kulti auch in Berlins Sprachen

Multi-Kulti auch in Berlins Sprachen

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Kosmopolitisches Berlin: Mehr als 120 Sprachen werden inzwischen in Deutschlands Hauptstadt gesprochen.

Berlin ist seit jeher (bis auf die Unterbrechung im Dritten Reich) ein Schmelztiegel gewesen. Einwanderer aus Frankreich, Russland, Polen und mehr prägten schon im 19. und frühen 20. Jahrhundert das Stadtbild, und in den wilden 20er Jahren strömten Künstler aus dem Ausland in die Metropole an der Spree.

Aus dem von der blutigen Revolution und dem Aufstieg der Kommunisten geschüttelten ehemaligen Russland kamen Größen wie die Schriftsteller Maxim Gorki, Boris Pasternak (Doktor Schiwago) und Vladimir Nabokov.

Außer politischen hatte die Einwanderung oft auch finanzielle Gründe. Trotz aller Armut nach dem verlorenen Krieg war Deutschland noch immer besser dran als die Großmacht Sowjetunion.

Aber noch ein Aspekt zog Autoren, Maler, Musiker und andere Künstler aus halb Europa an: Damals wie auch heute wieder war Berlin aufregend, eine Stadt der Exzesse und Lebenslust, experimentierfreudig, weltaufgeschlossen und dynamisch.

Billy Wilder schrieb für Zeitungen und drehte erste Filme, Christopher Isherwood legte mit seinen Erzählungen aus einem Berlin zwischen Freiheit und aufkommendem Nationalsozialismus, extremer Armut und Luxus den Grundstein für das Musical „Cabaret“. Marlene Dietrich wurde zum Star.

In den 70er und 80er Jahren kamen David Bowie und Lou Reed, um sich im Westteil der geteilten Stadt mit all ihren Höhen und Tiefen künstlerisch neu zu erfinden.

Neuanfänge haben die meisten Neuberliner hinter sich, die inzwischen die Straßen in Neukölln, Friedrichshain, Kreuzberg und Wedding mit Multi-Kulti und Sprachen aus aller Welt füllen.

Damals wie heute sind es Flüchtlinge vor Verfolgung, Menschen auf der Suche nach einer besseren Zukunft, Studenten und Künstler aus aller Herren Länder, die es nach Berlin zieht. 44,7 Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in der 3,5-Millionen-Stadt Berlin haben mittlerweile ausländische Wurzeln. Im Dezember 2015 lebten mehr als 620.000 Personen ausländischer Abstammung in der Hauptstadt, die damit so international wie keine zweite in Deutschland ist.

Türkisch ist die zweithäufigste Sprache, hinter deutsch. An dritter Stelle kommt italienisch.

Englisch ist ebenfalls im Vormarsch, nicht nur dank der fast 17.000 US-Amerikaner und 14.000 Briten, die Ende 2015 in Berlin gemeldet waren, sondern als kleinster gemeinsamer Nenner zwischen Angehörigen verschiedener Nationalitäten. Zweisprachige Haushalte sind eher die Regel als die Ausnahme, und drei Sprachen in einer Familie sind schon längst nichts Außergewöhnliches mehr.

Mit am seltesten werden die ansonsten weltweit häufigsten Sprachen in Berlin gehört. Mehr als eine Milliarde Chinesen sprechen Mandarin. Spanisch liegt weltweit an zweiter Stelle, mit rund 400 Millionen spanisch sprechenden Menschen.

Englisch liegt mit rund 360 Millionen Muttersprachlern und rund 500 Millionen Zweitsprachlern an dritter Stelle.

Zu den Neuberlinern mit anderer Muttersprache gehören auch der britische Schauspieler und seine in Bukarest geborene Ehefrau Alexandra Maria Lara. In Moskau geboren wurde der Schriftsteller Wladimir Kaminer, der in seinem Buch „Russendisko“ das Berlin der Immigranten porträtiert, das er als 22-Jähriger nach seiner Emigration aus der Sowjetunion vorfand – eine Stadt voller Gegensätze, die gerade durch das Aufeinandertreffen verschiedenster Sprachen und Kulturen ihre Identität erhält.

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