Leben in einer Wohnwagensiedlung – nicht nur für den Urlaub eine Option

    Leben in einer Wohnwagensiedlung – nicht nur für den Urlaub eine Option

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    Quelle: Pixabay paulbr75

    Ein Wohnwagen versprüht das Flair von Freiheit und Unabhängigkeit. Schon in den 1950er Jahren zog es viele Deutsche mit dem Wohnwagen in Richtung Süden, um an der Adria die wohlverdienten Ferien zu verbringen. Damals wie heute machte man es sich auf dem Campingplatz gemütlich und verbrachte einige Tage oder mehrere Wochen in der Natur. Einer der großen Vorteile von Wohnwägen ist, dass man Küche, Schlaf- und Wohnzimmer immer dabei hat und flexibel ist. Doch ob man immer in dem relativ begrenzten Raum in Wohnwagensiedlungen leben möchte? In einem Trailerpark, wie sie in den USA heißen permanent zu wohnen bietet Vor- und Nachteile.

    Wissenswertes zu Trailerparks

    Vor allem in den USA machten Wohnwagensiedlungen schon in der ersten Hälfe des 20. Jahrhunderts Furore. Der amerikanische Ökonom Roger W. Babson schrieb 1936 in einem viel beachteten Artikel in der Fachzeitung „Travel Trailer“: „In zwanzig Jahren wird mehr als die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung in einem Wohnwagen leben“. Mit dieser These lehnte er sich zwar etwas weit aus dem Fenster, allerdings zählen Mobile Homes in den USA heute immer noch zu den preiswertesten Wohnformen. Hier einige interessante Fakten dazu:

    • Ungefähr neun Millionen amerikanische Haushalte haben einen Wohnwagen als Heimat
    • Meistens bestehen die Trailer aus kleinen Fertighäusern, die aus Sperrholz, Styropor und Stahl gefertigt sind
    • Anders als man vielleicht vermuten möchte, bleiben 95 Prozent der Wohnmobile in den Trailerparks an ihren Plätzen
    • Es gibt in den USA ungefähr 24.000 Mobile Home Parks. Darin sind im Schnitt zwischen 150 und 175 Wohnwägen untergebracht

    Ursprünglich entschlossen sich Amerikaner für den Umzug in Trailer Parks, weil sie sich die Miete in Wohnungen und Häusern nicht mehr leisten konnten. Während der großen Wirtschaftsdepression in den 1920er Jahren sahen sich viele mit enormen finanziellen Problemen konfrontiert. Nicht nur Geld fehlte, auch Baumaterial war zu dieser Zeit knapp. So boten sich Trailer als preiswerte Alternative an. Besonders einkommensschwache Schichten sind heute noch in amerikanischen Trailerparks zu finden. Meistens verfügen sie nur über die Hälfte des Durchschnittsverdienstes der amerikanischen Bevölkerung. Fast ein Viertel aller Rentner wohnt in den USA heute in Wohnwagensiedlungen.

    Welche Vorteile Wohnwagensiedlungen bieten

    Der Hauptgrund, der Menschen dazu bewegt in eine Wohnwagensiedlung zu ziehen sind die niedrigen Kosten. Die Standgebühren sind deutlich niedrige als Mieten von Wohnungen oder Häusern. Ein Eigenheim zu finanzieren ist für den meisten Bewohner ohnehin undenkbar. Für einige ist eine Wohnwagensiedlung außerdem ein sicherer Hafen vor dem Leben auf der Straße. Bevor man sich in die Obdachlosigkeit begibt, ist das Leben in einem Wohnwagen sicher schöner.

    Ein weiterer wichtiger Punkt ist den Bewohnern der Trailerparks die Sicherheit. Oft stammen sie aus schlechten Verhältnissen und waren von Gewalt bedroht. In amerikanischen Wohnwagensiedlungen sorgt meistens der Verwalter dafür, dass die Bewohner vor Gangs verschont werden. Außerdem wird auf die Müllentsorgung geachtet und auch bei eskalierenden Streitereien eingegriffen. Deshalb fühlen sich auch alleinerziehende Mütter in den Trailerparks wieder sicher.  Ein weiterer Vorteil ist eine soziale Komponente: Viel spielt sich bei schönem Wetter in Trailerparks im Freien ab, dabei kommt man ins Gespräch. Wer bisher in der Isolation lebte, findet vielleicht unter den Nachbarn neue Freunde.

    Großes Geschäft für die Immobilienbranche

    Am meisten profitieren von Trailerparks sicherlich die Immobilienfirmen, die Trailerparks planen und aufstellen. Viele davon haben zunächst nur einige mobile Häuser aufgestellt und erweitern den Park, wenn Interesse in der Bevölkerung besteht. Gerüchten zufolge haben einige Immobilienfirmen nur mit einer Kreditkarte ausgestattet begonnen und sind mittlerweile zu milliardenschweren Unternehmen geworden. Ein Grund dafür ist, dass Anfang des 21. Jahrhunderts die Sanierung vieler Mobilheime fällig war. Immobilienfirmen kauften die renovierungsbedürftigen Wohnwägen, steckten ein wenig Geld in den Umbau und verkauften sie teuer weiter.

    Ein weiteres Modell die „Verkäuferfinanzierung“ ist ebenfalls besonders lukrativ. Dabei kaufen Investoren Häuser von in finanzielle Schwierigkeiten geratene Verkäufer und veräußern sie später zu deutlich höheren Preisen. Außerdem geht man zum Teil dazu über, Mobilheime nicht zu verkaufen, sondern zu vermieten. Somit ist für die Immobilienwelt regelmäßiges Einkommen garantiert.

    Trailerpark in Berlin

    Nicht nur in den USA, sondern auch in der deutschen Hauptstadt leben Menschen im Wohnwagen, und zwar in den Berliner Wagenburgen. Sie haben sich bewusst für ein Leben ohne Elektrizität und Trinkwasser entschieden.  Heute findet man die Wagenburgen noch in Treptow, am Kreuzberg und in Friedrichsheim. Die Bewohner leben alternativ und lassen Zwänge hinter sich, die das moderne Leben zum Teil mit sich bringt.

    Abseits der alternativen Szene haben sich Trailerparks in Deutschland nicht durchgesetzt. Sonst gibt es z.B. in Holland größere Wohnwagensiedlungen. Sie sind unter dem Namen woonwagenkamp bekannt und befinden sich z.B. in der Nähe von Maastricht. Wie in den USA leben vorwiegend Menschen aus einkommensschwachen Schichten hier. Was im Urlaub vielleicht Spaß macht, nämlich auf kleinem Raum für einige Tage mit der Familie die Welt zu bereisen, ist im Alltag nicht jedermanns Sache.

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