Leben im Container: Wie Wohnraummangel die Baubranche erfinderisch macht

    Leben im Container: Wie Wohnraummangel die Baubranche erfinderisch macht

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    Quelle: Shutterstock

    Die Postbank Studie WOHNATLAS zeigt: Bis zum Jahr 2030 fehlen allein in Berlin 300.000 Wohnungen. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. Wie die Immobilienbranche mit innovativen Wohnkonzepten auf den wachsenden Wohnraummangel reagiert.

    28 Quadratmeter, Einbauküche, Duschbad – Die Beschreibung klingt nach einem gewöhnlichen Studentenappartement in einem Berliner Reihenhaus. Von der Außenansicht ist es jedoch alles andere als Standard. So befindet sich das beschriebene Appartement nicht in einem Mehrparteienhaus, sondern in einem ausrangierten Seecontainer. 235 solcher Containerwohnungen umfasst das Studentendorf EBA51 im Südosten Berlins. Das Dorf besteht aus drei Gebäudekomplexen, die sich aus bis zu drei Etagen aufeinandergestapelten Seecontainer zusammensetzen. Selbsternanntes Ziel des Bauträgers ist es, bezahlbaren und lebenswerten Wohnraum für Studenten zu schaffen.

    Neubau kann mit wachsender Nachfrage nicht mithalten

    Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie die Baubranche auf die aktuellen Herausforderungen am Wohnungsmarkt reagiert. Gerade in den Großstädten herrscht akuter Wohnraummangel. Allen voran Berlin: Laut einer Studie der Postbank unter dem Titel WOHNATLAS 2016 müsste Berlin bis zum Jahr 2030 jährlich fast 20.000 neue Wohnungen schaffen. Da das Angebot der wachsenden Nachfrage nicht nachkommt, steigt der Preisdruck und Wohnraum ist vielerorts kaum noch bezahlbar. Das betrifft gerade Studenten und junge Familien.

    Das Containerdorf EBA51 zeigt, wie sich dank innovativer Konzepte in Rekordzeit neuer Wohnraum in der Größe eines ganzen Dorfes schaffen lässt. Lediglich drei Jahre hat das Projekt von der Idee bis zur Umsetzung gedauert. Die Verwendung vorgefertigter Containermodule vermeidet aufwändige Bauarbeiten.

    Nachhaltiges Wohnen durch Upcycling

    Während Seecontainer im gewerblichen Bereich als Büros oder Verkaufsläden schon länger zu Einsatz kommen, etablieren sich private Containerhäuser gerade erst am Markt. Dabei galten Container lange Zeit vorwiegend als temporäre Übergangslösung auf Baustellen oder als Flüchtlingsunterkünfte. Gegenwärtige Entwicklungen zeigen jedoch, dass sich Wohncontainer zunehmend auch als Alternative zur Eigentumswohnung oder dem Einfamilienhaus durchsetzen. Von der wachsenden Nachfrage zeugen auch neue Internetportale wie Modulheim.de, die sich auf alternative Wohnlösungen wie Containerhäuser spezialisiert haben. Egal, ob eigene Sauna, Pool oder Dachterrasse – Auch im Luxussegment sind Containerhäuser längst angekommen.

    Dabei macht nicht nur die schnelle Aufbauzeit das Containerhaus zu einer immer beliebter werdenden Alternative. So spiegelt sich in der Containerarchitektur eine weitere gegenwärtige Anforderung an die Baubranche wider: Das Konzept des Upcyclings verspricht Nachhaltigkeit und einen schonenden Umgang mit Ressourcen.

    Upcycling beschreibt das Wiederverwerten nicht länger benötigter Produkte. Ein ausrangierter Seecontainer, der andernfalls entsorgt würde, findet Wiederverwertung als Modulhaus. Das lohnt sich aus ökologischer Sicht gleich doppelt. Einerseits entsteht keine Umweltbelastung durch die Entsorgung des Seecontainers. Andererseits werden keine neuen Ressourcen für den Wohnungsneubau benötigt. Tatsächlich gilt es hier jedoch zu beachten, ob es sich um einen echten Seecontainer handelt. Mittlerweile stellen viele Anbieter für Containerhäuser eigene Containermodule her, die lediglich einem Seecontainer nachempfunden sind. Hierbei handelt es sich demnach nicht um einen Upcycling-Prozess.

    Wer einen Wohncontainer als dauerhafter Lösung in Erwähnung zieht, sollte sich zunächst ausführlich mit den örtlichen Bauauflagen auseinandersetzen. Hier stoßen Eigentümer oft an behördliche Grenzen. So entsprechen Containerhäuser häufig nicht den örtlichen Bebauungsplänen.

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