Immobilienblase Deutschland in 2024?

    Immobilienblase Deutschland in 2024?

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    Berlin wird also nicht für Olympia 2024 kandidieren, nachdem Hamburg der Hauptstadt vorgezogen wurde. Eine Enttäuschung für viele, aber eine Erleichterung für andere.

    Doch was für eine Stadt wird Berlin im Jahre 2024 sein? Ihr anhaltendes Wachstum sowie ihre Internationalisierung werden sicherlich weiterhin zu einem signifikanten Anstieg der Immobilienpreise und der Mieten beitragen.

    2024 – Schreckensszenario oder Investorentraum?

    Und so könnte sich die Stadt 2024 präsentieren:

    Der Quadratmeterpreis liegt bei weit über 10.000 Euro für eine durchschnittliche Eigentumswohnung im Stadtzentrum, in Berlin Mitte und am Prenzlauer Berg und sogar bereits bei über 5.000 Euro in Wedding und Spandau. Mieten sind ebenfalls entsprechend gestiegen, aber weniger als die Immobilienpreise; somit sind Renditen weiter gesunken. Angesichts der immer noch niedrigen Zinsen macht das Sinn.

    In Berlin sind mittlerweile ein paar neue Wolkenkratzer zu finden, natürlich jener am Alexanderplatz – und einige neue in der City West.

    Ausländische Investoren haben die Preise der Luxusimmobilien in die Höhe getrieben. Berlin gilt nun genauso als sicherer Hafen wie London in der Vergangenheit. Aber auch Inländer und Berliner haben sich zunehmend in den Gedanken des Wohnungseigentums verliebt. Schließlich war es ja gar nicht schwierig, eine Hypothek bis zu 100 Prozent des Kaufpreises von der Bank zu erhalten, und das Sanieren und Einrichten der Wohnung (mit Hilfe des Dispositionskredits) machte Freude.

    Außerdem war die Zuwanderung in die Stadt ein weiterer Grund für den Anstieg der Preise und Mieten. Die Berliner Bevölkerung ist im letzten Jahrzehnt pro Jahr um 2 bis 3 Prozent gewachsen. Beteiligt an diesem Zustrom sind sowohl Deutsche als auch Ausländer, die in Berlin eine neue Stelle finden, studieren oder einfach ein neues Leben beginnen wollen, weil das weite und vielfältige Angebot der Stadt jedem etwas bieten kann.

    Aber den Hauptgrund dieses Booms bilden die nach wie vor niedrigen Zinsen, welche die Eurozone angesichts des schwachen europäischen Südens immer noch braucht. Die Geschichte ist dazu reich an Präzedenzfällen. Man denke an die genau umgekehrte Situation zu Anfang des 21. Jahrhunderts. Die EZB hielt die Zinsen niedrig, weil es der deutschen Wirtschaft schlecht ging. Schneller wachsenden Wirtschaften wie Spanien oder Irland hätten damals höhere Zinssätze nicht geschadet. Doch die niedrigen EZB-Zinsen führten dort zu einem Boom der Immobilienpreise und im Laufe weniger Jahre zu einer Überhitzung der Wirtschaftslage.

    Parallelen dazu gab es auch in den USA. Nach der Rezession von 2001 und den Terrorangriffen vom 11. September jenes Jahres führte eine drastische Senkung der Zinsen zu einer Immobilienblase, die erst 2007 zu Ende platzte. Dadurch versank die Weltwirtschaft in einer der tiefsten Rezessionen der letzten Jahrzehnte.

    Somit bergen steigende Preise sicher die Gefahr einer „Immobilienblase Deutschland“. Doch angesichts der ständig wachsenden Nachfrage nach Wohnraum ist es nicht einmal sicher, ob das Angebot jemals die Nachfrage übertreffen wird. Es besteht kein Zweifel daran, dass einige zu viel für Ihre Wohnung zahlen oder aber sich unverantwortlich verschulden werden. Das Risiko der Kreditausfälle wird sicherlich wachsen, was auch eine Gefahr für die Volkswirtschaft darstellen kann. Doch grosse europäische Städte haben dank Wachstum und Zuwanderung in den letzten Jahrzehnten kaum Einbrüche der Immobilienpreise erlitten. Auch wenn also eine Gefahr einer Immobilienblase in Deutschland im kommenden Jahrzehnt besteht, braucht dies – vor allem in grossen Städten wie Berlin – noch nicht unbedingt irrationell zu sein.

    Mehr Menschen, grösseres Angebot, aber weniger Raum

    Aber was ist aus dem “Poor but sexy”-Berlin geworden? Irgendwo gibt es das immer noch, aber vielleicht mehr im Herzen mancher Leute als im Stadtbild, das die Berliner City jetzt auf die Welt projiziert. Berlin ist immer noch – auch in Jahr 2024 – ein Magnet für Künstler, Intellektuelle, Medienvertreter und Startup-Unternehmer. Aber angesichts der Knappheit an Immobilien muss man mit weniger Raum auskommen. Studenten sowie frischgebackene Uni- Absolventen leben mehrheitlich in einer WG und oft auch in Wohnungen außerhalb des Stadtzentrums.

    Natürlich stellen die hohen Lebenskosten eine zunehmende Herausforderung dar. Doch gleichzeitig ist Berlin größer, reicher und dynamischer geworden. Die Arbeitslosigkeit ist gesunken, an Jobs für Studenten wimmelt es. Das Angebot an Unterhaltung und Kultur steigt ständig an, und die Stadt wächst und wächst und erweitert somit ihre Grenzen.

    Auf wann die nächste Olympiakandidatur?

    Als sich der DOSB im März 2015 gegen Berlin als Olympia-Stadt 2024 entschied, gab es in der Hauptstadt noch viel Unerledigtes (z.B. der Flughafen BER) sowie allgemeine Skepsis gegenüber ihrem Wachstumskurs. Vielleicht war die Stadt ja einfach noch nicht reif genug.

    Im Jahr 2005 bewarb sich eine der dynamischsten, attraktivsten, reichsten und multikulturellsten Städte Europas – und der Welt – um Olympia 2012 – und gewann. London 2005, Berlin 2024: warum nicht einen Vergleich wagen? Vielleicht wäre ja dann der richtige Zeitpunkt, eine Olympiakandidatur erneut zu erwägen.

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