Ist es Zeit, Berliner Immobilien zu verkaufen?

    Ist es Zeit, Berliner Immobilien zu verkaufen?

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    Wird die Immobilienblase in Berlin platzen? Sollte man jetzt also seine Immobilienanlagen verkaufen? Kommt es vielleicht sogar zu einem Immobiliencrash wie in den Vereinigten Staaten in den Jahren 2008 und 2009?

    Angesichts der Ängste, die die globalen Aktienmärkte in den letzten Wochen gepackt haben – Börsencrash in China, Einbruch der Rohstoffpreise, Terrorwarnungen, Masseneinwanderung, Kriegsgefahr – ist so ein Szenario durchaus vorstellbar.

    Sollte Ihr Geld also zurück aufs Bankkonto oder sogar in den Strumpf, unter die Matratze?

    Immobilienpreise in Deutschland – und besonders auch in der Hauptstadt Berlin – sind in den letzten Jahren rasant gestiegen. Dank tiefer Zinsen und grossem Interesse von internationalen Investoren. In unserem Jahresausblick für 2015 sahen wir vor einem Jahr noch gutes Potenzial für weitere Preissteigerungen – und der Immobilienmarkt gab uns recht.

    Aber wie geht es weiter?

    Man muss zwischen makroökonomischen und Deutschland- oder sogar Berlin spezifischen Risiken unterscheiden.

    Immobilienpreise Deutschland
    Quelle: Die Welt

    Makroökonomisch sieht es schlechter aus als vor einem Jahr – die US Wirtschaft wächst weniger stark, mit steigenden Zinsen. Das Wachstum in China hat sich ebenfalls verlangsamt. Russland leidet unter Sanktionen, und Brasilien ist zum kranken Mann Südamerikas geworden. Mit anderen Worten – die globale Nachfrage wird schwacher, was auch Deutschland als Exportindustrie schaden könnte. Dafür bleibt aber der Euro relativ niedrig – was wiederum der Exportwirtschaft hilft.

    Ein schwacher Euro ist ebenfalls gut für Auslandsinvestitionen in deutsche Immobilien. Zudem kommt in turbulenten Zeiten die Suche nach einem sicheren Hafen – also wenn internationale Investoren sicherere Anlagemöglichkeiten für Ihr Geld suchen. Zu den würden auch Immobilien in einer stabilen, relativ gut verwalteten Hauptstadt gehören.

    Doch ist Berlin stabil, gut verwaltet und wirtschaftlich attraktiv genug?

    Die deutsche Hauptstadt ist wirtschaftlich im Aufschwung. Aber leider ist sie nicht gut genug verwaltet. In den letzten Jahren haben die Fehler der Vergangenheit – zu wenig Neubau und mangelhafte Planung (auch wenn Bauplanungsprojekte stetig in den letzten Jahren gestiegen sind) – sowie das Wirtschaftswachstum der Stadt zum Anstieg der Immobilienpreise geführt.  Doch das Inkrafttreten der Mietpreisbremse und des Zweckentfremdungsverbots sind äußerst unattraktive Massnahmen für Investoren und werden sich sicherlich mittel – bis langfristig schädlich auf die Popularität Berlins auswirken. Ob sie der Bevölkerung wirklich helfen, ist ausserdem fragwürdig. Berlin brauch pro Jahr 50.000 neue Wohnungen, mit dem Zweckentfremdungsverbot in Berlin werden höchstens einmalig 20.000 Wohnungen wieder frei.

    Und hinzu kommt noch die Flüchtlingsfrage: sicherlich tragen sie der wachsenden Bevölkerung bei, und die Wohnungsnachfrage wird weiterhin steigen. Werden aber irgendwann leerstehende Wohnungen beschlagnahmt? Wenn ja, ist dies ein Warnsignal für Investoren.

    Quelle: Die Welt
    Quelle: Die Welt

    Doch bleibt im grossen und ganzen  Berlin immer noch beliebt bei Immobilieninvestoren. Dank des Wirtschaftswachstums der Hauptstadt und der immer noch relativ niedrigen Preise ist trotz der negative Faktoren im Jahr 2016 mit einem leichten Anstieg der Immobilienpreise zu rechnen, jedoch kaum noch mit den 10-15% pro Jahr vom Anfang dieses Jahrzehnts.

    Um eine Immobilienblase handelt es sich in Deutschland – und in Berlin – (noch) nicht. Und die oben besprochenen Faktoren – insbesondere das Risiko sinkender Kaufkraft ausländischer Investoren – werden als Dämpfer wirken.

    In einer Studie von PWC und dem Urban Land Institute zu den besten Städten für Immobilieninvestitionen in diesem Jahr ist Berlin auf der ersten Stelle. Auch wenn es in Berlin nicht mehr viele Schnäppchen gibt, ist diese Prognose sicher nicht unvernünftig. Sollte es aber zu spekulative Exzessen kommen könnten dann wirklich die Gefahr einer Immobilienblase drohen – noch haben wir aber ein bisschen Zeit.

    2 COMMENTS

    1. Ich wünschte, dass ich genügend Kleingeld nach dem Finanzcrash gehabt hätte, aber hatte ich nun Mal leider nicht. Heutzutage zeichnet es sich ab, dass die Preise immer weiter steigen. V.a. Mieten steigen und werden immer unbezahlbarer. Da ich einen unbefristeten Arbeitsplatz habe, der auch ziemlich sicher ist und nicht plane in naher oder sogar entfernter Zukunft auszuziehen, denke ich mir, dass die Finanzierung einer Eigentumswohnung am besten ist. Das ist zumindest das was mein Immobilienmakler mir erzählt hat. Ich muss auch sagen, dass das ziemlich rational und einleuchtend klingt.

    2. Ich habe vor mir eine Immobilie anzueignen, weil die Mieten langsam unbezahlbar werden. Ich hatte mich mal mit einem Anwalt für Immobilienrecht unterhalten und gefragt, ob es überhaupt zulässig ist, dass die Mieten von normalen, sogar unterdurchschnittlichen Wohnungen die Ratenpreise von Eigentumswohnungen erreichen. Er hat mir erklärt, dass es empörend ist, aber legal.

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