Ein kleiner geschichtlicher Überblick der Berliner Architektur und der angewandten Baustile

Ein kleiner geschichtlicher Überblick der Berliner Architektur und der angewandten Baustile

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berlinDie Anfänge Berlins gehen auf das Jahr 1244 zurück, wo Urkunden aus diesem Jahr eine Stadt Berlin am nördlichen Spreeufer erwähnen. Der geschichtliche Ursprung dieses mittelalterlichen Kerns ist im Bereich der Nikolaikirche zu suchen. Aus der Zeit des 13. Jahrhunderts sind noch ruinenhaft die Überreste Franziskaner-Klosterkirche erhalten. Ebenfalls aus der gleichen Zeit stammen auch die Ursprünge der ehemaligen Heiliggeist-Kapelle und die Marienkirche. Überreste der alten Stadtmauer des 14. Jahrhunderts sind in Höhe der heutigen Waisenstraße zu finden.

Insbesondere die Dynastie der Hohenzollern hat Berlin ihre ganz besondere Prägung gegeben. Die Position einer Residenzstadt sollte sich auch im architektonischen Rahmen widerspiegeln. Neben dem Schloss Charlottenburg ist die Museumsinsel ein herausragendes Beispiel der preußischen Architektur. Mit ihr sind so bekannte Namen der Berliner Baukunst eng verbunden wie Schinkel, Langhans, von Knobelsdorff, Stüler und Nering. Im Bereich des heutigen Bebelplatzes „Unter den Linden“, sollte nach den Entwürfen von Knobelsdorff und Friedrich II. das Zentrum eines Forum Fridericianum entstehen. Dies sollte das neue Wissenschaftzentrum und der künstliche Mittelpunkt des preußischen Königreiches werden. Begonnen wurde mit der Umsetzung der Pläne im Jahr 1741. Die heutige Staatsoper „Unter den Linden“ war das erste und älteste Bauwerk des Forums Fridericianum. Unter Friedrich Wilhelm IV. wurde der Gedanke, eine „Freistätte für Kunst und Wissenschaft“ zu schaffen, auf dem Areal der Spreeinseln weiter fortgeführt. Nach Schinkels Tod 1841 übernahm Friedrich August Stüler diese Aufgabe und errichtete, nördlich von Schinkels Altem Museum, das von ihm entworfene Neue Museum, dass 1855 eingeweiht wurde. Vollendet wurde die Museumsinsel durch den Bau des Pergamonmuseums zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dessen Eröffnung im Jahr 1930 erfolgte.

Berlin, Reichsluftfahrtministerium
Reichsluftfahrtministerium, 1938. Heute ist hier der Sitz des Bundesministeriums der Finanzen.

Durch die wachsende Industrialisierung und der Zunahme der Bevölkerung im 19. Jahrhundert, entstanden rund um die Mitte des historischen Berlins, neue Stadtquartiere. Beispiele der eher bürgerlichen Wohnbauten aus der Gründerzeit findet man heute rund um den Kurfürstendamm in Charlottenburg und Wilmersdorf. Dagegen zeigen die erhaltenen Wohnbauten aus dieser Zeit, die in Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln sowie am Prenzlauer Berg, Moabit und Wedding zu finden sind, die typischen Mietskasernen der einfachen Arbeiter.

Als Reaktion auf die katastrophalen hygienischen und sozialen Missstände in manch dieser Mietskasernen, entstanden nach dem Ersten Weltkrieg in den 1920iger Jahren, die ersten Sozialsiedlungen der Berliner Moderne. Hierfür zeichnen sich besonders die Architekten Bruno Taut, Mies van der Rohe und Hans Sharoun verantwortlich. Als Beispiele für die damals visionäre Architektur seien die „Hufeisensiedlung“ in Neukölln (1925 – 1930) und die „Ringsiedlung“ in Spandau/Charlottenburg (1929 – 1934) genannt. Neben anderen Siedlungen aus der Zeit der Berliner Moderne, wurden diese 2008 in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Auch die Zeit des Nationalsozialismus hat in Berlin seine Spuren hinterlassen. Zwar blieben die meisten Pläne, die Hitlers Traum der Welthauptstadt Germania verwirklichen sollten, in den Schubladen. Dennoch sind damals einige Bauten errichtet worden, die im rudimentären Rahmen, die geplante Gigantomanie verdeutlichen. So ist das heutige Ministerium der Finanzen im ehemaligen Reichsluftfahrtministerium untergebracht, das seiner Zeit mit etwa 2.000 Zimmern das größte Bürogebäude Berlins war. Ein weiteres monumentales Bauwerk ist das Gebäude des Flughafes Tempelhof, dass bei seiner Errichtung das größte zusammenhängende Gebäude der Welt war. Das von Albert Speer geplante Gebäude blieb in Folge des Krieges unvollendet und wurde erst 1945 durch die Alliierten in Dienst gestellt. Ein weiteres Gebäude aus dieser Zeit ist das Olympiastadion, dass 1936 das Deutsche Stadion in Westend ersetzte. Ursprünglich fanden hier 100.000 Menschen Platz aber nach einigen Modernisierungen, zuletzt zur WM 2006, sind es heute 75.000 Plätze.

file8871235655351Nach den verheerenden Kriegszerstörungen, entstanden auf dem zwei Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Strausberger Platz und dem Frankfurter Tor, die monumentalste Straßenbebauung des 20. Jahrhunderts Deutschlands. Nach den Plänen der Parteiführung der DDR sollte hier im Osten Berlins, die „erste sozialistische Straße“ auf deutschem Boden entstehen. Dazu wurde die ehemalige Große Frankfurter Straße, seit dem 21. 12. 1949 Stalinallee, auf etwa 90 m verbreitert. Auf beiden Straßenseiten entstanden sieben bis neungeschossige Gebäude im stalinistisch-neoklassizistischen Stil. In den unteren ein oder zwei Etagen wurden Läden oder Gaststätten und dergl. eingerichtet. Für die damaligen Verhältnisse waren die Wohnungen in den darauf folgenden oberen Etagen recht komfortable. Heute das Kino International das einzige Gebäude, an der Karl-Marx-Allee (die Umbenennung erfolgte 1961), dass in noch unveränderte Weise den ursprünglichen Charakter dieser Wohngebäude zeigt.

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