Der Immobilienmarkt in Berlin wird im nächsten Jahr noch spannender

    Der Immobilienmarkt in Berlin wird im nächsten Jahr noch spannender

    2
    SHARE

    Die Berliner Morgenpost hat heute am 23.12.2012, am Adventssonntag unmittelbar vor Heiligabend, ein Interview mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit veröffentlicht. Dieses Interview zeigt auf der einen Seite  –  fast unwidersprochen von Wowereit  –  was in Berlin in den letzten Jahren alles versäumt wurde: Die kompetente Planung und Bauausführung des neuen Großflughafens Berlin Brandenburg International stand dabei naturgemäß im Vordergrund. Einige Experten, wie zum Beispiel Dieter Faulenbach da Costa, warnen ja schon, der BER sei zu klein geplant worden. Zu wenige Check-in-Schalter, zu wenige Gepäckbänder, kaum Erweiterungsmöglichkeiten. Man kann nur hoffen, dass solche Ermahnungen die Berliner Landesregierung davon abhalten werden, für den praktischsten Flughafen, den ich kenne, Tegel, ebenfalls wie bei Tempelhof wider jede Vernunft schon vor Eröffnung des neuen Großflughafens in Schöneberg (wenn dieser dann wirklich mal eröffnet wird!) den Umwidmungsbeschluss fasst, der eine Weiterführung des so leistungsfähigen, fast innerstädtischen und trotzdem kaum lärmbelästigenden Flughafens Tegel unmöglich macht. Weitere Versäumnisse der Vergangenheit, die Berlin betreffen und von dessen Stadtoberhaupt praktisch widerspruchslos hingenommen werden:

    • Die Renovierung der Deutschen Staatsoper Unter den Linden wird 46 Mio. Euro teurer (wenn’s dabei mal bleibt!).
    • Die Energiewende hat gerade in Berlin zu echten Problemen geführt; denn hier verdienen ja die meisten Menschen viel weniger als in Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, München, die Mieten sind auch viel niedriger, aber die Nebenkostensteigerungen sind genauso hoch wie in den anderen Großstädten und wirken sich dadurch prozentual natürlich viel härter aus.
    • Innerhalb des Berliner Senats gibt es einen Dauerstreit zwischen zwei Senatoren, Finanzminister Ulrich Nußbaum und Stadtentwicklungssenator Michael Müller blockieren sich gegenseitig, ohne dass der Regierende Bürgermeister eingreift.

    Das Interview nennt aber auch das wichtigste Problem, welches viele Menschen, die nach Berlin ziehen, besonders hart trifft: Die Zeiten, in denen wir in Berlin einen Leerstand von 150.000 Wohnungen hatten, ist endgültig vorbei. In Berlin fehlen Wohnungen. Im Jahre 2011 sind 40.000 Menschen nach Berlin zugezogen. Im Jahre 2012 werden es voraussichtlich noch mehr sein. Berlin zieht zur Zeit wie keine andere deutsche Stadt insbesondere (aber keineswegs ausschließlich) junge Leute an. Das ist ja eine höchst erfreuliche Nachricht, aber die Stadtregierung (eigentlich ja Landesregierung) tut zu wenig, um der Probleme, die dieser Prozess mit sich bringt, Herr zu werden. Wowereits ärmliches Konzept in dieser Frage: „Wir haben Bundesratsinitiativen ergriffen – beispielsweise für gesetzliche Änderungen bei Modernisierungsumlagen oder Maklergebühren“. Au weia, das ist verdammt dünn . . . .

    Herzlichst,

    Ihr Uwe Fenner

    2 COMMENTS

    1. Mal ganz ehrlich aus der Ferne. Das Berliner Problem beginnt doch schon damit, dass der letzte hemdsärmelige Bürgermeister mit Sachverstand lange zurück liegt. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund begeistern sich Berliner für gesichtslose Scheiteltypen, Rotschalträger oder Weichspüler an der Spitze. Deren Ansinnen ist doch nur das tägliche Bad auf Prominenzveranstaltungen.

      Im Oktober war ich mit meiner Familie nach langen Jahren mal wieder für einige Tage in der Hauptstadt. Ich war entsetzt, wie heruntergekommen der ehemalige Vorzeigebereich um die Gedächtniskirche wirkt. Und noch viel entsetzter, wie man ein Wahrzeichen mit derart klobigen Betonanhängseln beidseits verschandeln kann … das arme Brandenburger Tor.

      Man kann von Glück sagen, dass es die vielen jungen Zuzügler wohl weniger interessiert und den Immobilienmarkt in Berlin zum Überflieger unter den deutschen Metropolen der letzten Jahre gemacht hat. Ausruhen auf diesen unverhofften Lorbeeren würde ich mich aber lieber nicht …

    LEAVE A REPLY