Bevölkerungswachstum: Hat sich Deutschland verrechnet?

    Bevölkerungswachstum: Hat sich Deutschland verrechnet?

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    Quelle: Statistisches Bundesamt

    Die Bevölkerung Deutschlands wird in den nächsten Jahrzehnten steigen – und nicht sinken oder stagnieren. Es ist wichtig, dass das Land sich entsprechend auf die kommende Zuwanderungswelle und deren Konsequenzen vorbereitet, und die damit verbundenen Chancen ergreift. 

    „Schrumpfung [der Bevölkerung Deutschlands] ist für mindestens fünf Jahrzehnte unvermeidlich“ sagte im Jahr 2006 der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg.

    Aber die meisten Bevölkerungsprognosen für Deutschland sind zu pessimistisch: zum Beispiel rechnet das Statistische Bundesamt auch im Falle stärkerer Zuwanderung mit einer Schrumpfung der Bevölkerung Deutschlands unter 75 Millionen bis 2060, und sogar mit unter 70 Millionen im Falle schwächerer Zuwanderung.

    93 Millionen Einwohner bis 2050 ist realistisch

    Alterung der Bevölkerung, niedrige Geburtsraten, Flucht vom Land und aus der Kleinstadt: all dies sind gute Gründe, weshalb die Bevölkerung Deutschlands im besten Fall nur ein geringe Wachstumsrate in den nächsten Jahrzehnten aufzeigen könnte.

    Doch der Faktor Zuwanderung wird weit unterschätzt. Der deutsche Autor und Unternehmer Hermann Simon ist einer der wenigen, die mit einem starken Bevölkerungsanstieg – und zwar bis auf 93 Millionen Menschen bis 2050 – rechnet.

    Laut Wikipedia wies Deutschland im Jahr 2015 mit Ländern wie Syrien (+298.483), Rumänien (+92.346), Afghanistan (+79.572) und Polen (+63.045) den höchsten positiven Wanderungssaldo auf. Noch ist kein afrikanisches Land auf dieser Liste, es ist aber bereits ein signifikanter Anstieg der Bevölkerung Deutschlands mit ostafrikanischer Herkunft zu beobachten (+290% zwischen 2001 und 2017).

    Die kommende Zuwanderungswelle aus Afrika

    Zuwanderung nach Deutschland – und Europa – aus Afrika wird in den nächsten Jahrzehnten nur zunehmen. Denn der afrikanische Kontinent wird laut UN Prognosen bis 2050 2.5 Milliarden Einwohner haben, mehr als doppelt soviel wie heute. Und trotz Entwicklungshilfe und Förderung des Wirtschaftswachstums durch ausländische Investitionen steht Afrika vor riesigen Herausforderungen: der Klimawandel, der Mangel an Wasser, die weitverbreitete Armut sowie die Korruption und Instabilität zahlreicher Regierungen werden die Chancen auf Wohlstand stark einschränken.

    Somit ist es nicht erstaunlich, dass knapp 75% der Volljährigen in Ghana und Nigeria, und über 50% in Südafrika oder Kenia,  auswandern würden, wenn sie könnten. Entsprechend sind Asylanträge in Europa von Migranten aus Subsahara-Afrika zwischen 2010 und 2017 von 58.000 auf 168.000 pro Jahr gestiegen.

    Was bedeutet dies für den Immobilienmarkt und die deutsche Wirtschaft?

    Eine große Herausforderung ist die Integration sowie das Lernen der Sprache – rein wirtschaftlich bedeutet dies aber auch eine signifikante Chance angesichts des Angebots an neuer Arbeitskraft, die insbesondere in der Pflege, im Bau und im Handwerk dringend benötigt wird.

    Das Wachstum deutscher Großstädte sowie ihres weiteren Umlands wird daher ebenfalls anhalten, aber auch der ländliche Raum sollte wieder an Attraktivität gewinnen, vor allem für Familien auf der Suche nach mehr Raum und niedrigeren Mieten.

    Infrastrukturprojekte und sozialer Wohnungsbau dringend nötig

    Natürlich stünde Deutschland auch vor großen Herausforderungen angesichts des Infrastrukturmangels und des Bedarfs an sozialen Wohnungsbau. Künftige Regierungen werden sich zu weitreichenden, ambitiösen Infrastrukturprojekten verpflichten müssen, neben der Förderung der kulturellen Integration der Einwanderer.

    Wird sich Deutschland wieder verrechnen?

    Die vorsichtige Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamtes lässt aber erahnen, dass – wie bereits zuvor – Deutschland für die kommende Zuwanderungswelle und die damit verbundenen Herausforderungen nicht vorbereitet ist. Sicherlich ist daher keine Verbesserung der Wohnungsnot in großen Städten in Sicht, was weiterhin zu höheren Mieten, einem anhaltenden Immobilienboom und der damit verbundenen sozialen Unruhe führen wird.

    Es ist zu hoffen, dass das Land und seine Bürger die demografische Entwicklung nicht als Bedrohung sehen, sondern als eine große potentielle Chance. Und es ist keineswegs zu früh, die dafür benötigten Vorbereitungsmassnahmen bereits in die Wege zu leiten.

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