Bauhaus in Berlin

Bauhaus in Berlin

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Der Baustil, den man in Deutschland nach der Weimarer und später Dessauer Künstler-, Architekten- und Handwerkervereinigung als „Bauhaus“ bezeichnet, hat in Berlin zwar quantitativ durchaus beachtliche, qualitativ eher marginale Spuren hinterlassen. Walter Gropius, der große Architekt,  hat das Staatliche Bauhaus am 12.4.1919 aus der Vereinigung der Großherzöglichen-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar und der 1915 aufgelösten Weimarer Kunstgewerbeschule als Kunstschule gegründet. Es bestand  –  ab 1926 in Dessau und nach erneutem Umzug seit 1932 nach Berlin  –  bis zu seiner Auflösung und Schließung durch das nationalsozialistische Regime im Jahre 1933.

Eine Vorgängerorganisation des Bauhauses war schon  im Jahre 1902 von Henry van de Velde in Weimar gegründet worden: Das „Kunstgewerbliche Seminar“, später „Kunstgewerbliches Institut (1907). Leiter des Bauhauses waren Walter Gropius, später der Schweizer Architekt Hannes Meyer und zuletzt Ludwig Mies van der Rohe. Bekannte Bauhauskünstler/ -Architekten sind darüberhinaus Josef Albers (Maler, später North-Carolina, Lehrer u.a. von John Cage und Robert Rauschenberg), László Moholy-Nagy, Marcel Breuer (mit Mart Stam und Mies van der Rohe unter Anderem Erfinder des berühmten Freischwingers „Wassily“), Lyonel Feininger (Maler), Johannes Itten (Schweizer Maler), Gertrud Grunow (ursprünglich Opernsängerin und Pianistin, im Bauhaus Dozentin für Harmonisierungslehre), Paul Klee (Maler, später Muralto [Locarno], Schweiz), Wassily Kandinsky (russischer Maler, später Bern), Oskar Schlemmer (Maler, Bildhauer, Bühnenbildner  –  „Mensch und Raum“). In Berlin sind vor allem Bruno Taut, Hugo Häring, Ludwig Hilbersheimer, Otto Bartning und Gerrit Rietveld als Bauhaus-Architekten mit Bauwerken vertreten.

Typische Merkmale der heute so berühmten und gefragten Bauhausarchitektur sind die funktionalen Gliederungen der Baukörper. Die Ästhetik der Architektur folgt der Funktionalität. Typisch sind bei der Fassadengestaltung die „offenen Ecken“: Die damals neue Stahlskelettbauweise, tragende Stahlelemente mit Ziegelausfachung und Flachdach. Diese Konstruktion machte die sonst statisch notwendige Verstärkung der tragenden Eckelemente überflüssig. Die so mögliche kantenumgreifende Verglasung vermittelt dadurch den Eindruck von Leichtigkeit. Im Bauhaus wurden auch die vorgehängte Glasfassade sowie eine völlig neue Farbgebung, außen weiß, innen differenziert nach tragenden und Verkleidungselementen, angewendet.
Es gab 13 Werkstätten, u.a. die Metallwerkstatt, die Tischlerei, die Glasmalerei, die Weberei, die Wandmalerei, und es wurde Harmonisierungslehre gelehrt. Alle Werkstätten und Abteilungen wurden von der „Architekturwerkstatt“ (Gropius, Meyer, van der Rohe) geleitet.

Typische Bauhausarchitektur ist in Berlin vor allem in großen Siedlungen von Bruno Taut (Gropiusstadt) sichtbar. Zwei interessante Beispiele sind zum Einen die evangelische Offenbarungskirche in Friedrichshain. Sie wurde von Otto Bartning entworfen. Bartning wurde nach dem Krieg zum „Notkirchenplaner“. Nach Bartnings Plänen entstanden in Deutschland zwischen 1948 und 1951 tatsächlich 43 Kirchen, die in einer Kombination von Selbsthilfe und Auslandshilfe errichtet wurden; denn für jede dieser Kirchen gab es 10.000 Dollar aus dem Ausland, damals, in einer Zeit, als man ein kleines Einfamilienhaus für 25.000 DM, also nur wenig mehr als damals 6.000 Dollar bauen konnte, ein erheblicher Betrag. Diese Notkirchen baute man aus vorgefertigten Holzbindern, die mit Trümmersteinverfüllungen versehen wurden. Merkmal der Offenbarungskirche sind die hintereinander gestellten hölzernen Bögen, die eine Außenhaut tragen. Alle Bauteile sind sichtbar, nichts wird versteckt. Man erkennt deutlich die Verwurzelung dieser Architektur im Expressionismus.

Weitere Bauhaus-Highlights in Berlin sind die wenigen, aber dafür umso bedeutenderen Werke von Ludwig Mies van der Rohe: Das Haus Lemke in der Oberseestraße 60 und vor allen Dingen die Neue Nationalgalerie, das einzige Nachkriegswerk van der Rohes, bei dem die Zugehörigkeit zur typischen Architektur des Bauhauses allerdings fraglich ist. Erst 1968 wurde die Neue Nationalgalerie eröffnet und bald weltweit als Ikone der modernen Architektur gefeiert: Mit gläsernen Stahlskelett-Pavillonbau hatte Mies van der Rohe einen offenen Universalraum geschaffen, der einzigartig ist.

Bauhaus in Berlin
Bauhaus-Architektur in Berlin Wedding
Bauhaus Berlin
Friedrich-Ebert-Siedlung im Nordwesten des Wedding. (Baujahr 1930-1931 von Bruno Taut, Paul Mebes und Paul Emmerich)
Bauhaus Berlin Wedding
Von 1924 bis 1930 entstanden nach den Plänen Bruno Tauts 303 Wohnungen in der Schillerparksiedlung in Berlin Wedding

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