50er Jahre Architektur in Berlin – es ist längst nicht alles...

50er Jahre Architektur in Berlin – es ist längst nicht alles schlecht

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Oft spotten wir nicht nur über die Architektur der 50er Jahre, wir lehnen häufig alles, was in dieser Nachkriegsepoche gebaut wurde, schlichtweg ab. Das ist ungerecht. Denn es gibt auch aus diesen Jahren hervorragende Beispiele sehr guter Architektur. Gewiss, diese Zeit war fast weltweit gekennzeichnet von der Notwendigkeit zur Sparsamkeit. Sparsamkeit einerseits und die bittere Notwendigkeit, unsere zerstörten Städte in Deutschland wieder aufzubauen und die Menschen aus den Kellerlöchern zu holen und mit menschenwürdigen Wohnungen zu versorgen, andererseits, diese beiden Bedingungen zu vereinigen, war schwer. Und wie immer in der Architektur beeinflussten diese äußeren Vorgaben natürlich auch die Bauweise dieser Zeit. Es wurde mit einfachen, nämlich möglichst billigen Materialien gebaut, und es entstanden Häuser und Wohnungen mit kleinsten Räumen und Grundrissen. Die Decken waren niedrig, die Fenster ebenfalls. Die Fassaden schmucklos glatt. Die Türen hatten allenfalls ein schmales hohes Glasfenster, gerade mal so breit, dass kein Dieb durch Einschlagen der Scheibe, durchsteigen konnte. Einbruchhemmende Scheiben gab es noch nicht, und Gitter kosteten extra. Die Fußböden wurden mit einer ekligen roten breiigen Masse belegt, die man Steinholz nannte, in besseren Bauten mit Linoleum. In dieser Zeit, in welcher Schmucklosigkeit zum Gestaltungsprinzip erhoben wurde, erfand der Berliner Senat sogar eine Abstuckungsprämie, die an Hauseigentümer bezahlt wurde, die den „hässlichen“ Stuck von ihrer Hausfassade entfernen ließen. Für unsere heutige Auffassung eine groteske Sünde und der Beweis, dass weder Geschmack noch Geschichtsbewusstsein noch die Fähigkeit, das Werk anderer zu achten, immer Sache der politischen Klasse ist. Ein Jammer, wenn man heute die vielen Berliner abgestuckten Häuser aus der Zeit zwischen 1880 und 1914 sieht, mit einfaltslosen Fassaden, wie sie  –  nunmehr in ihrer Hässlichkeit  –   noch nicht einmal von den sozialen Wohnungsbauten der 50er Jahre übertroffen wurden.

Aber zurück zu diesen Nachkriegsjahren und ihrer Architektur. Da gibt es eben auch gute Beispiele in Berlin. Die Wohnhäuser im Hansaviertel, geplant von den größten Architekten der Welt, Oskar Niemeyer, Alvar Aalto, Werner Düttmann, Egon Eiermann, Walter Ruf und Sep Gropius und anderen, oder die städtebauliche Neuordnung des Ernst-Reuter-Platzes mit den Gebäuden der Technischen Hochschule, der Deutschen Bank, von Eternit und IBM sprechen die Sprache von einer neuen Architektur, die sich mittlerweise  –  im Gegensatz zur unmittelbaren Nachkriegsarchitektur vollständig von ihrer Vorgängerepoche gelöst hatte. Dort, wo Firmen bauten, und dort, wo der Staat baute  –  beide Körperschaften hatten in dieser Zeit Geld, wuchs beachtliche Architektur heran. In West-Berlin entstand durch Pläne von Hugh Stubbins als Beitrag der USA zur Internationalen Bauausstellung Interbau im Jahre 1958.

Ebenfalls seit den fünfziger Jahren entstand nach Ideen von Hans Scharoun das Kulturforum, unmittelbar an der Sektorengrenze zu Ost-Berlin, im ehemaligen Tiergartenviertel.

Es lohnt sich, sich einmal die „guten“ Bauten der fünfziger Jahre in Berlin anzusehen, nicht nur im ehemaligen West-Berlin, auch Ost-Berlin hat mit den Zuckerbecker-Bauten der ehemaligen Stalinallee und mit einigen wenigen öffentlichen Gebäuden (z.B. „Kosmos“, ebenfalls Stalinallee) einiges zu bieten.

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